Reverse Engineering für Capyco

Kundenprojekt · Schweiz · 600 Ersatzhalter aus dem 3D-Druck

Von Prinjekt per Reverse Engineering nachkonstruierter Regalhalter aus PETG-CF für Capyco

Nicht mehr lieferbar. Neu gefertigt.

Kleines Bauteil. Große Wirkung.

Die Büromöbel waren weiterhin nutzbar. Was fehlte, war ein kleines Ersatzteil: die Kunststoffhalter der Regalböden. Weil der ursprüngliche Hersteller diese nicht mehr lieferte, beauftragte Capyco aus der Schweiz Prinjekt mit einer neuen Lösung.

Wir übernahmen die vollständige Nachkonstruktion anhand zugesandter Originalmuster und fertigten anschließend 600 Ersatzhalter aus PETG-CF im 3D-Druck. So konnten die vorhandenen Schränke weiter genutzt werden – einschließlich der werkzeuglosen Höhenverstellung ihrer Regalböden.

Gesamtansicht eines Lateralschranks aus dem bereitgestellten Capyco-Projektmaterial

Die Ausgangslage

Die Möbel funktionieren. Die Halter brechen.

Eine Schweizer Behörde nutzt seit Jahrzehnten zahlreiche Lateralschränke als Aktenschränke, Stauraum und Raumtrenner. Laut Simon Joss, Geschäftsleiter von Capyco, kosteten die Möbel je nach Größe und Anschaffungszeitpunkt etwa 600 bis 1.200 Euro pro Stück. Die Schränke erfüllen ihren Zweck bis heute, doch ihre Kunststoffhalter werden mit der Zeit brüchig.

Das Problem zeigte sich häufig beim Verstellen eines Regalbodens: Beim Anheben zerbrachen die alten Halter. Da der Hersteller seit Jahren keine passenden Ersatzteile mehr anbot, musste der Hausdienst improvisieren.

Metallwinkel, Schrauben, Holzleisten und Abstandhalter hielten die Böden zwar wieder fest. Allerdings entstanden dabei teilweise zusätzliche Löcher in den Schrankwänden oder Schäden an den Regalböden. Vor allem ging die einfache Höhenverstellung verloren: Für jede spätere Änderung wurden erneut Werkzeug und der Hausdienst benötigt.

  • Das beschädigte Original

    Capyco stellte vorhandene Originalhalter aus der Schweiz zur Verfügung. Ihre Form und die Verbindung mit dem Metallbolzen dienten Prinjekt als Grundlage für die Nachkonstruktion.

  • Die Aufnahme im Regalboden

    Die Ersatzhalter mussten in die vorhandene Aussparung des Regalbodens passen. Entscheidend war, die ursprüngliche Befestigung und die werkzeuglose Höhenverstellung wiederherzustellen. Projektfotos: Capyco.

Vom Originalmuster zur Serie.

Nachkonstruieren

Capyco sandte vorhandene Halter aus der Schweiz. Prinjekt rekonstruierte das Bauteil einschließlich des Klickmechanismus für das Metallteil und erstellte das CAD-Modell.

Testen & abstimmen

Prinjekt fertigte und testete Musterteile. Capyco prüfte die Ausführung und gab sie für die Produktion frei.

600 Halter fertigen

Nach der Freigabe fertigten wir 600 Halter aus PETG-CF im FDM-Verfahren. Anschließend wurden die Teile in die Schweiz geliefert.

Die Besonderheit: Der Klickmechanismus musste wieder funktionieren.

Das Metallteil musste in den Kunststoffhalter einklicken. Genau dieser Klickmechanismus war die besondere Herausforderung bei der Nachkonstruktion: Neben den äußeren Abmessungen musste Prinjekt auch die Geometrie der Rastverbindung nachbilden.

Ausgangspunkt waren die von Capyco zugesandten Originalmuster. Prinjekt übernahm die vollständige Konstruktion und erstellte daraus ein digitales CAD-Modell – einschließlich der Aufnahme, in die das Metallteil einrastet. Dieses Vorgehen heißt Reverse Engineering: Aus einem vorhandenen Bauteil entstehen die digitalen Daten für seine erneute Herstellung.

Der neue Halter musste in die vorhandene Aussparung des Regalbodens passen und mit dem Metallteil zusammenwirken. Die Rastfunktion gehörte damit ebenso zur Aufgabe wie die Passform im Möbel. Auf die Konstruktion folgten Musterteile, Tests und die Abstimmung mit Capyco. Erst nach der Freigabe wurde die Serie gefertigt.

Nach Angaben von Simon Joss lagen die fertigen Teile nach wenigen Wochen bei Capyco vor, einschließlich des internationalen Versands. Die Konstruktionsdaten bilden außerdem die Grundlage für spätere Nachfertigungen oder Anpassungen.

Der Klickmechanismus im Video

Nachkonstruierter Ersatzhalter im Einsatz am Regalboden

Das Ergebnis

Einsetzen. Verstellen. Weiter nutzen.

Mit den neuen Haltern können die Angestellten einen betroffenen Regalboden wieder selbst instand setzen: Sie ersetzen die beschädigten Teile durch vier passende Halter und setzen den Boden wieder ein. Metallwinkel oder zusätzliche Verschraubungen sind für diese Lösung nicht erforderlich.

Damit wird auch eine alltägliche Funktion wieder nutzbar: Ändert sich der Platzbedarf im Schrank, lässt sich der Regalboden erneut ohne Werkzeug in der Höhe verstellen. Der Hausdienst muss dafür nicht jedes Mal hinzugezogen werden.

Capyco berichtete zum Zeitpunkt der Rückmeldung von rund 100 reparierten Regalböden. Insgesamt fertigte Prinjekt 600 Ersatzhalter für das Projekt. Laut Simon Joss können die vorhandenen Möbel durch diese Reparatur noch einige Jahre weiterverwendet werden.

Projektfoto: Capyco.

Was die neue Lösung im Alltag spart.

In wenigen Minuten wieder nutzbar

Für eine Reparatur mit Winkeln und Schrauben benötigten Angestellte und Hausdienst zusammen bisher 30 bis 90 Minuten. Mit den vier passenden Ersatzhaltern dauert die Reparatur eines Regalbodens laut Capyco nur noch rund 5 Minuten.

Vier Halter kosten weniger als die Behelfslösung

Für Winkel, Schrauben und weiteres Reparaturmaterial fielen bisher etwa 10 bis 12 Euro pro Regalboden an. Die vier gedruckten Ersatzhalter für denselben Regalboden kosten laut Capyco zusammen rund 5 Euro. Der Aufwand für die Arbeitszeit kommt bei beiden Lösungen separat hinzu.

Die nächste Höhenverstellung geht ohne Hausdienst

Ein fest verschraubter Regalboden ließ sich nur mit Werkzeug versetzen. Mit den neuen Haltern können die Angestellten seine Höhe wieder selbst ändern. Der Vorteil bleibt damit auch nach der ersten Reparatur im Alltag erhalten.

Warum sich 3D-Druck für dieses Ersatzteil eignete.

Für Capyco war entscheidend, ein nicht mehr lieferbares Bauteil passend zum vorhandenen Möbel nachfertigen zu können. Ein Austausch der vollständigen Schränke hätte das eigentliche Problem weit übertroffen: Die Möbel selbst waren weiterhin nutzbar.

Nach der Konstruktion und Freigabe ließen sich die 600 Halter direkt aus den digitalen Daten fertigen. Ein eigenes Spritzgusswerkzeug war für diese Serie nicht erforderlich. Prinjekt setzte dafür PETG-CF und das FDM-Verfahren ein, bei dem das Bauteil schichtweise aufgebaut wird. Die Halter wurden mit 100 Prozent Fülldichte gefertigt.

Der Nutzen liegt in der Verbindung aus passender Nachkonstruktion und bedarfsgerechter Fertigung: Ein kleines Ersatzteil vereinfacht die Reparatur und erhält die Funktion eines bereits vorhandenen Produkts. Die genannten Zeit- und Kostenwerte stammen aus Capycos Erfahrung mit diesen Regalböden.

Die Rückmeldung von Capyco

Vom Muster bis zur Produktion

„Prinjekt hat die aus der Schweiz gesendeten Muster umgehend neu modelliert, getestet, von uns abnehmen lassen und produziert.“

Simon Joss · Geschäftsleiter von Capyco

Fragen zum Projekt

Keine CAD-Datei? Ein Muster ist ein Anfang.

Zeigen Sie uns Ihr Bauteil und beschreiben Sie Funktion, Einsatzbedingungen und Stückzahl. Wir prüfen die Nachkonstruktion und eine passende Fertigung.